Alba – eine Reise zu unserem Abfallentsorger

21 Mai Alba – eine Reise zu unserem Abfallentsorger

Verglichen mit anderen Ländern ist die Müllsituation in Deutschland eine saubere Sache, schon klar. Ein paar Mal in der Woche bringen wir unseren Müll fein säuberlich in Beutel verpackt nach unten. Dort stehen vier große farbenprächtige Tonnen in die wir ihn einwerfen. Die Tonnen werden wöchentlich geleert und wir haben wieder Platz, um noch mehr Müllbeutel reinzuwerfen. Ähnlich ist das in unserem Restaurant. Nur, dass wir etwas öfter den Müll „runter bringen“.

Am Donnerstag stieg ich in die Bahn nach Mahlsdorf, um mal zu schauen, wo unser Müll nach der heimischen Tonne eigentlich hingebracht wird.

Beginnen wir mit einer kleinen Bestandsaufnahme:

Es war sehr staubig, stinkig und ich habe selten so viele Fliegen auf einem Fleck gesehen!

In einer hochtechnisierten Anlage werden bei ALBA im Jahr 140.000 Tonnen Kunststoffe aus unseren Werkstofftonnen (das ist die schöne gelbe) gesichtet, sortiert und in fünf Fraktionen gepresst. ALBA verkauft diese Ballen, die zu 96 % sortenrein sein müssen, teilweise an Recycling-Firmen weiter, bereitet den Müll aber auch selbst zu reinen Granulaten auf. So kann der Joghurtbecher zum Gartenstuhl weiterverarbeitet werden.

Im Ballungsraum Berlin sind nach wie vor 25 % von diesen 140.000 Tonnen kein Kunststoff. Von Plüschtieren über Schuhe bis hin zu großen Mengen Kartonagen habe ich einige Absurditäten gesehen.
Hoch lebe die (Trenn-)Faulheit! Richtig realisiert, dass das falsche Trennen von Müll nicht nur teuer ist, sondern auch unmittelbar Menschen negativ betrifft, habe ich im sogenannten Kontrollraum. Da sitzen pro Schicht 10 bis 15 Menschen und sortieren am Fließband unsere Faulheit. Denn: Die Anlage kann zwar alle Arten von Kunststoff erkennen, nicht aber Omas alte Haarbürste, benutztes Küchenpapier oder volle Staubsaugerbeutel. All diese Dinge kommen auf ein extra Fließband und werden von Menschen sortiert. Kein schönes Bild.

Ich sprach mit Frau Berg, die mich durch die Anlage führte, über die Sinnigkeit von Müllbeuteln. Wir teilten die Meinung, dass es sinnvoller ist auf die Beutel zu verzichten und lieber die Tonne und unsere Mülleimer nach der Leerung zu reinigen. Ihrer Meinung nach wurden die Säcke allein für Siedlungen und Eigenheime konzipiert, die keine Tonnen haben und den Müll an die Straße stellen. Alle anderen Haushalte sind angehalten, die Verpackungen lose in die Tonnen zu geben. Dann passt auch mehr rein. Wir sprachen außerdem über den Posten Restmüll: Aller Berliner Restmüll wird von der BSR nach Ruhleben gefahren und dort OHNE jegliche Sortierung ausnahmslos verbrannt. Also macht auch in diesem Fall ein Müllsack wenig Sinn, ob er nun aus Kunststoff oder einem natürlichen Material besteht, das in Wasser löslich ist. Benutzen wir Müllbeutel also nur um den Weg zu Tonne möglichst leicht zu gestalten und damit wir unsere Mülleimer nicht reinigen müssen? Wäre es nicht sinnvoller, keinen Müllsack zu benutzen und das Geld, das man so spart in eine regelmäßige Reinigung der Tonnen zu investieren?

Ich denke je transparenter wir unsere Müllsituation gestalten, um so höher ist das Verständnis, worum es beim Wegwerfen und Trennen von Müll geht. Ein Müllsack wie unserer verbirgt seinen Inhalt und erschwert das richtige zuordnen, zudem sinkt die Hemmschwelle einfach alles hineinzustopfen.

Ihre
Katrin Engelen